Sprechzeiten im Pfarrbüro

Neubau unserer jetzigen Kirche im Jahre 1910

Der „Kalb`sche“ Baufonds im Jahre 1894

Die Vorplanungen für den Neubau unseres derzeitigen Gotteshauses beginnen schon im Jahre 1894. Der Kirchenvorstand unter dem Vorsitz von Pfarrer Malkmus, den Mitgliedern Konrad Josef Reinhard, Eduard Gließner, Johannes Schäfer und Hartmann v. Keitz beschloß am 17. Mai 1894 ein Legat von 1809,91 Mark aus der Hinterlassenschaft des am
1. 8.1892 verstorbenen Pfarrers Kalb anzunehmen und dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend  einen Baufonds für die Erweiterung der Kapelle einzurichten. 
Ebenfalls wurde in dieser Sitzung beschlossen, die Schenkung der Witwe Franziska Reinhard geb. Motz in Höhe von 50,00 Mark, die ihr verstorbener Ehemann Friedrich Reinhard  in seinem Testament der Kirche vermacht hatte, dem „Kalb´schen Baufonds“ zuzuführen.
Durch jährliche Zuführungen aus Spenden und Zinserträgen wuchs der Baufond bis zum Baubeginn im Jahre 1910 auf 5629,00 Mark.
Pfarrer Kalb war von 1873 bis zu seinem Tode Pfarrer in Blankenau. Er war in dieser Zeit für unserer Kirchengemeinde verantwortlich. Der Gottesdienst in Kleinlüder wurde meistens von einem Kaplan gefeiert, die Sitzungen des Kirchenvorstandes jedoch wurden immer vom Pfarrer als Vorsitzender geleitet.
Es ist anzunehmen, daß die im Jahre 1842 erweiterte Kapelle mit einer Größe von 8, 00  x 16,00 m zu klein geworden war und die Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Dem Hochwürdigsten Herrn Pfarrer Kalb  muß die erneute Erweiterung der Kapelle ein Herzensanliegen  gewesen sein, so daß er unsere Kirchengemeinde in seinem Testament bedacht hatte.


Beschluß über die Inangriffnahme der Baumaßnahme

Am 6. Januar 1905 beschlossen der Kirchenvorstand und die Kirchliche Gemeindevertretung Kleinlüder, daß der Neubau einer Kirche in Angriff genommen werden soll, und daß die Ausarbeitung eines Planes einem bewährten Architekten übertragen werden soll.
Am 2. April 1905 beschließen die gleichen Gremien, daß die Ausarbeitung eines Planes für den Neubau der Kirche dem Herrn Architekten und Diözesanbaurat Güldenpfennig zu Paderborn übertragen werden soll und beauftragt  Herrn Pfarrer Malkmus mit demselben in Unterhandlungen einzutreten. Es ist nicht bekannt, ob der Architekt den Auftrag angenommen hat denn es gibt hierüber keinerlei Schriftwechsel.


Planungsvorschlag Architekt Greifzu Mainz  1907

Am 4. November 1907 schreibt Architekt Greifzu an den Herrn
Kaplan Lauer Blankenau.
Kaplan Lauer war vom 17.März1907 bis 31. März 1909 Kaplan zu Blankenau. Er war in dieser Zeit für unsere Kirchengemeinde zuständig. Diesen Brief, wie sämtlicher Schriftverkehr in dieser Zeit wurde in „Deutscher Schrift“ verfaßt und ist nachfolgend im Originaltext aufgeführt. Ergänzungen mit den heutigen Straßennamen sind zur besseren Orientierung in Klammern eingefügt.
Architekt Aug. Greifzu Mainz, Schulstraße Nr. 5   Mainz, den 4. Nov.1907

Hochwürden Herrn Kaplan Lauer Blankenau, Post Hainzell

Ich bin gerade mit den Skizzen für Kleinlüder beschäftigt und habe nach reiflicher Überlegung für einen Kirchenneubau folgenden Vorschlag zu machen.
Wenn die neue Kirche 360 Sitzplätze für Erwachsene und 140 Kindersitzplätze fassen soll  (die Zahl hatten wir für die Ermittlung zu Grunde gelegt) so ist die Länge nach der Straße  „b“ (Richtung Gasthof Reinhard) für eine einschiffige Kirche zu kurz, weil die Entfernung nur vom Turm aus circa 20,00 m beträgt.
Die Breite nach der Strasse „a“ (Scharfe Ecke) beträgt vom Turm circa 10,00 m.
Ich habe dieserhalb den in obenstehender Grundrißskizze projektierten Bau gewählt. Ein geräumiger Schift von 9,00 m lichte Breite und eine Länge von 4 Jochen  mit 22,00 m ohne Chor.
Anbau in der Breite des Turmes ein Seitenschift von 2 Jochlängen, hauptsächlich zur Aufstellung der Beichtstühle und zur Unterbringung von 50 Sitzplätzen für Erwachsene.
Diesem Seitenschift ist eine Windfangvorhalle mit Treppenturm nach der Orgelbühne angeschlossen. In der ganzen Kirche wird nur ein Pfeiler stehen. Die Decke ist wie neben skizziert gewölbt, die lichte Gewölbehöhe beträgt  cira 10,00 m.
Den Turm würde ich raten zu erhöhen. Ich füge noch ein Bild bei, woraus Sie ersehen wie schön sich eine solche Kirche gestalten läßt. Die Baukosten für den Neubau werden circa
35 – 40000 Mark betragen, ohne Turmerhöhung.
Ich bitte sie Herrn Pfarrer die Angelegenheit einmal vorzutragen und mir dann Bescheid zugehen zu lassen wie die Entscheidung der Herren meinem Vorschlag gegenüberstehen.
Wenn mein Projekt Beifall findet werde ich umgehend die Skizzen in diesem Sinne ausführen und zusenden. Andernfalls bin ich gerne bereit andere Vorschläge zu machen.
Letztendend übernehmen Sie Herr Pfarrer hierdurch keinerlei Verpflichtung ich liefere Ihnen wie bereits besprochen die Vorschläge kostenlos.
                                  Einer baldigen Rücksprache entgegensehend

Architekt Greifzu hat den Planungsauftrag nicht erhalten, dieser wurde zu einem späteren Zeitpunkt an den Architekten Hermann Mahr zu Fulda erteilt.


Beschluß über Aufnahme eines Baudarlehens 1909.

Am 23. Oktober  1909 wurde vom Kirchenvorstand unter Vorsitz von Pfarrer Malkmus, den Mitgliedern Gließner, Sauer, Schäfer, v. Keitz, Reinhard und Bickert und der Kirchlichen Gemeindevertretung,  Weismüller, Bischof, Wehner, Weismüller, Scheibelhut, Reinhard, Möller, Sander, Wehner, Reuß und Engel der Beschluß gefaßt, 20.000 Mark bei der Landes-Kreditkasse zu Cassel für den Neubau der Kirche aufzunehmen.


Kaplan Kemper kommt für Kaplan Lauer

Wie aus den Verkündigungsbüchern zu ersehen ist löst Kaplan Kemper ab 31. Juli 1909 den seitherigen Kaplan Lauer ab. Pfarrer Malkmus und Kaplan Kemper führen auch die Verhandlungen während der Bauzeit mit dem Architekten.  


Planvorlagen April 1910

Die zur Baugenehmigung eingereichten Pläne sind am 15. April 1910 von Architekt Hermann Mahr aus Fulda erstellt worden. Es ist anzunehmen, daß nun zwischenzeitlich ein Planungsauftrag mündlich erteilt worden war, denn ein Angebot seitens des Architekten folgt zu einem späteren Zeitpunkt.


Planerstellung durch Architekt Hermann Mahr Fulda

Architekt Hermann Mahr legte mit Datum 12. März 1910 einen Grundrissplan vor, der 400 Knieplätze und 130 Stehplätze sowie 30 Plätze auf der Empore vorsah.
Architekt Mahr erkannte bei seiner Planung, daß die neue Kirche gegenüber der alten Kirche quergestell werden mußte, um genügend Plätze zu erhalten. Das hatte zur Folge, daß der Altarraum nicht mehr wie bei den beiden Vorgängerkirchen im Turm, Richtung Osten, angeordnet war, sondern Richtung Norden. Dadurch mußte das Haus Nr. 6, welches im Besitz der Raiffeisenbank war, früher der Familie Wingenfeld gehörte, erwobern und abgebrochen werden.  Architek Mahr nutzte jedoch die Fundamente der alten Kirche für die Lastabtrageung der neuen Mittelsäulen. Bei seiner ersten Planung waren die Mittelsäulen rund, die Nebeneingänge waren seitlich und die Treppe zur Empore war im Bereich des rechten Seiteneinganges. Auch war ein Gang zwischen Mittelgang und linkem Seitengang Richtung Ausgangstür zur Linde vorgesehen, wodurch natürlich Sitzfläche verlorenging. Bei der zweiten und endgültigen Planung mit Datum 15. April wurden dann Änderungen vorgenommen, die dem  derzeitigen Stand entsprechen.


Regierungspräsident verlangt Pläne und Finanzierungsplan

Der Regierungspräsident                                                                              Cassel, den 26. April 1910
Zum gefälligen Schreiben vom 19 April 1910
betreff Kirchenneubau Kleinlüder.
Das bischöfliche Generalvikariat ersuche ich ergebenst, den Kirchenvorstand von Kleinlüder darauf hinzuweisen, daß gleichzeitig mit den Bauplänen und Kostenanschlägen auch Kostendeckungsbeschlüsse einzureichen sind.
Bevor bezüglich der Ausführung des Baues irgend welche Schritte getan werden dürfen, muß feststehen, daß – ganz abgesehen von der Genehmigung des Projekts – die zur Deckung der Kosten erforderliche Anleihe die Genehmigung  der zuständigen Behörde gefunden hat.
Falls die politische Gemeinde baupflichtig ist, würde der Anleihebeschluß von der Vertretung der politischen Gemeinde zu fassen und vom Kreisausschuss zu genehmigen sein.
Ferner ersuche ich ergebenst um Auskunft, auf welchem Rechtstitel die Baulast der politischen Gemeinde Kleinlüder beruht.                                                             In Vertretung  gez. Blankenhorn.


Baulast obliegt politischer Gemeinde

An das bischöfliche Generalvikariat zu Fulda.
Abschriftlich an den Herrn Pfarrer Malkmus, Hochwürden  Blankenau
Zur Kenntnisnahme und Beachtung.
Was die Baupflicht der politischen Gemeinde Kleinlüder bezüglich der Kirche daselbst anlangt, so liegen darüber besondere Urkunden zwar nicht vor, doch ergeben unsere Akten (dieVerfügung der bischöflichen Behörde vom 27. 9. 1886) daß die bauliche Unterhaltung der Kirche zu Kleinlüder der dasigen politischen Gemeinde herkömmlich obliegt, die erforderlichen Umlagen nach dem Maßstabe der direkten Steuer erhoben werden und in diesem Rechtsverhältnisse auch weder vor noch nach Emanation des Gesetzes vom 20. Juni 1870 eine Änderung eingetreten ist.
Fulda, den 3. Mai 1910                           
          Bischöfliches Generalvikariat                   
          Auenhold


Planunterlagen und Planungsangebot Architekt Mahr

Fulda, den 4. Mai 1910

Hochwürdiger Herr Pfarrer!

Meinem Versprechen zufolge übersende ich Euer Hochwürden meine Ausfertigung des Kirchenprojektes zu Kleinlüder, welches Sie gütigst dem Bericht und der Kostenberechung an das Hochwürdigste Bischöfliche Generalvikariat beifügen wollen.
Bezüglich des Kostenvoranschlages erlaube ich mir nochmals zu bemerken, daß ich für alle Arbeiten ziemlich hohe Preise eingesetzt, die Fuhren jedoch nur gering angerechnet habe, so daß wir bestimmt mit der angegebenen Bausumme auskommen.
Was das Architektenhonorar anbelangt, so werde ich das selbe nach den Grundlagen des Bundes deutscher Architekten berechnen. Zudessen bin ich bereit, um Entgegenkommen zu zeigen , nur ¾ der Norm oder 5,7% der Bausumme für meine Leistungen in Rechnung zu stellen.
Für meine Reise nach Kleinlüder werde ich für mich oder auch für meinen Bevollmächtigten sechs Mark in Ansatz bringen. Mein Bestreben wird es sein, Euer Hochwürden alle unnötigen Arbeiten zu ersparen, jedoch werde ich auch nichts ohne Ihr Wissen und Ihrer Zustimmung  unternehmen.
Meine Tätigkeit würde umfassen:
1.    Das Anfertigen aller Projektzeichnungen.
2.    Das Aufstellen des Kostenvoranschlages und das liefern der Bauvorlagen.
3.    Das Anfertigen Bau Werk- und Detailzeichnungen in einem für die Ausführung günstigen Maßstabe.
4.    Die Bauoberleitung, diese umfaßt die Vorbereitung der Ausschreibungen, den Entwurf der Verträge über Arbeiten und Lieferungen, die Verhandlung über die Verträge mit den Lieferanten und Unternehmern bis zum Vertragsabschlusse, die Bestimmung der Fristen für den Beginn, die Fortführung und die Fertigstellung der Bauarbeiten; die Überwachung der Bauausführung; den Schriftwechsel in dem bei der Ausführung vorkommenden Verhandlungen mit Behörden und dritten Personen , die Prüfung und Feststellung der Bauweisungen.
Indem ich glaube annehmen zu dürfen, daß Euer Hochwürden mit meiner Offerte einverstanden sind, begrüße ich Sie 
                                              Hochachtungsvoll         Herm. Mahr Architekt 


Erteilung der Baugenehmigung am 12. Mai 1910

Der Landrat                                                                             Bauerlaubnis Nr. 157 für 1910 / 11
Zu der nach der  anliegenden Zeichnung  beabsichtigten Baumaßnahme wird die Bauerlaubnis unter folgenden Bedingungen erteilt:
1.    Alle Vorschriften der Baupolizei-Ordnung sind sorgfältig zu beachten, auch wenn die Zeichnungen Mängel enthalten, auf die nicht besonders aufmerksam gemacht wird.
2.    Zur Herstellung der feuersicheren Badachung dürfen Strohfieder-Unterlagen nicht zur Verwendung kommen.
3.    Alle Fundamente sind auf bis auf den tragfähigen Baugrund herabzuführen.
4.    Die Gewölbe und Dachbinder sind nach den besten Regeln auszuführen.
5.    Die Türen müssen nach aussen aufschlagen.
6.    Die Entfernung der grossen Chorapsis von der Mitte des hinteren Weges muß mindestens 2,50 m betragen
7.    Das Mauerwerk ist in bestem Material auszuführen, die Fundamente werden zweckmäßig in Hydraulischem Mörtel hergestellt.
Abweichungen von der Zeichnung sind nur nach zuvor eingeholter Erlaubnis zulässig.
Die Bau-Erlaubnis verliert ihre Gültigkeit, wenn innerhalb Jahresfrist nicht mit dem Bau begonnen ist, oder falls der begonnene Bau ein Jahr unvollendet geruht hat.
Der Bauherr ist bei Meidung einer Geldstrafe bis zu 60 Mark verpflichtet, der Ortspolizeibehörde
(dem Bürgermeister) schriftlich anzuzeigen:
1.    wann mit der Ausführung des Baues begonnen werden soll,
2.    sobald der Rohbau vollendet ist und
3.    sobald der Bau zur Benutzung fertig gestellt ist.
Nach Vollendung des Rohbaues muß die Abnahme erst erfolgt sein, bevor mit dem Bewerfen (Tünchen) der Wände begonnen werden darf. - Wohnräume dürfen erst dann in Bezug genommen werden, wenn auf Grund der Anzeige zu Nr. 3 die Baupolizeibehörde hierzu die Erlaubnis erteilt hat.
Die 21 Mark betragende Baupolizeigebühren  sind an die Gemeindekasse zur Vermeidung zwangsweiser Eintreibung sofort zu entrichten.
An Pfarrer Malkmus Blankenau


Kostenvoranschlag Architekt Mahr vom 1. Mai 1910

Mit Datum vom 1. Mai 1910 hat Architekt Hermann Mahr der Kirchengemeinde einen detailierten Kostenvoranschlag von 25 DIN A 4 Seiten, sauber mit Schreibmaschine geschrieben, vorgelegt.
Es ist eine hervorragend ausgearbeitetes Werk, welches man eigentlich im Original wiedergeben müßte, es würde aber die Chronikserie um Jahre verlängern.
Architekt Mahr hat in seiner Ausführung alle Gewerke mit Massen und Preisen aufgeführt und selbst unvorhersehbare Situationen in seiner Vorbemerkung mit abgedeckt.
Die Beschreibung der Abbrucharbeiten jedoch möchte ich im Original aufführen. Der ausführende Unternehmer erhielt dafür kein Entgelt, er durfte statt dessen die beim Abbruch anfallenden Materialien beim Neubau verwenden und hatte zusätzlich noch einen Betrag von 350,00 Mark zu leisten der bei der Abrechnung abgezogen wurde.


Abbrucharbeiten: (Originaltext)

Die Arbeitsleistung nach den Vorschriften der Unfallversicherung erstreckt sich auf Entfernen des gesamten Inbaues, der Altäre, Kanzel, Beichtstühle, Statuen, Gestühl, Orgel  überhaupt sämtlicher zur Ausstattung der Notkirche (wozu die fragl. Scheune verwendet werden soll) erforderlichen und bis jetzt zum kirchl. Gebrauch verwendeten Gerätschaften, welche noch näher bestimmt werden, Aufstellen der einzelnen Gegenstände an die ihnen zugewiesenen Plätze. Nachdem diese Vorarbeiten vollendet, vollständiges Abtragen der ganzen Kirche und Herausnehmen des Fußbodens und der dazu gehörigen Gebäude, so, wie dies aus dem Situationsplan ersichtlich ist, soweit nötig, auch der Fundamente. Sämtliche nicht im Inbau begriffenen und einbehaltene Materialien bleiben Eigentum  des Unternehmers und dürfen die Mauersteine, sowie solche als brauchbar erachtet werden, nachdem sie gründlich gereinigt sind, zum Aufmauern der Fundamente benützt werden. Der entstandene Schutt ist auf der Seite aufzutragen. Sollten sich beim Abbruch Kunstgegenstände , Münzen, ect. vorfinden, so ist, dem Pfarramt hiervon Anzeige zu machen. Für den Abbruch erhält der Unternehmer sämtliche Materialien und leistet als Mehrwert einen Betrag von 300 Mark “Dreihundertfünfzig Mark“, d.h. es wird vorgenannte Summe bei der Abrechnung in Abzug gebracht. Es wird jedoch noch ausdrücklich betont, dass zur Schonung der Nachbargebäude Staubentwicklung beim Abbruch durch fortwährendes Annässen möglichst verhütet werden muss. Für alle Gegenstände, welche dem Pfarramte verbleiben, wird dem Unternehmer ein Aufbewahrungsraum angewiesen und liegen dieselben auf Gefahr des Unternehmers, weshalb derselbe größte Vorsicht beim Abnehmen ect., zu üben hat. Etwaige Beschädigungen werden auf Kosten des Unternehmers ausgebessert, bzw. neue Gegenstände beschafft.


Zusammenstellung der Baukosten:
Titel I.      Erdarbeiten:                                              309,36 Mark 
Titel II.     Maurerarbeiten:                                   22.813,84 Mark 
Titel III.    Steinhauerarbeiten:                               7.503,15 Mark 
Titel IV.    Zimmerarbeiten:                                   2.019,34 Mark                                         
Titel V.     Dachdeckerarbeiten:                             2.414,26 Mark
Titel VI.    Spenglerarbeiten:                                     331,79 Mark  
Titel VII.  Glaserarbeiten:                                         302,50 Mark  
Titel VIII. Schreinerarbeiten:                                 1.430,90 Mark
Titel IX.    Schmiede & Schlosserarbeiten:               450,00 Mark
Titel X.     Anstreicherarbeiten;                                 352,65 Mark    
Titel XI     Insgemein:                                                671,61 Mark
Titel XII   Architektenhonorar                                2.100,00 Mark
Gesamtsumme:                                                     40.600,00 Mark
Abzug Abbruchmaterial:                                           350,00 Mark
Abzug Fuhrleistungen:                                           3.100,00 Mark
Bausumme:                                                          37.000,00 Mark


Protokoll über die Auftragsvergaben am 23. Mai 1910

Am 23. Mai abends um 6 Uhr trat der Kirchenvorstand zu einer Sitzung zusammen, um die Bauarbeiten zum Kirchenneubau in Kleinlüder zu vergeben. Ausser dem Herrn Vorsitzenden , hochw, Pfarrer Malkmus, den vollzählig erschienen Mitgliedern des Kirchenvorstandes waren der hochw. Kaplan Kemper und Architekt Hermann Mahr von Fulda erschienen. Es nahmen ferner noch einige Mitglieder der bürgerlichen Gemeindevertretung an der Sitzung teil. Nachdem die Beschlußfähigkeit vom Vorsitzenden festgestellt war, ging man zur Tagesordnung, Vergebung der Maurer-, Zimmer-, Steinhauer-, Dachdecker und Spenglerarbeiten über.


Maurerarbeiten:
Für die Mauerarbeiten lagen Angebote der Firmen Engel, Grosch, Rützel und Hillenbrand aus Fulda vor. Den Auftrag erhielt Fa. Grosch zum Preis von 18.272,22 Mark.
In den Angeboten sind sämtliche Arbeitsleistungen und sämtliche Materiallieferungen eingeschlossen; die nötigen Fuhren sollen jedoch durch die Gemeindemitglieder unentgeltlich geleistet und auch der Sand kostenlos an die Lagerstelle geliefert werden. Der Vorschlag des Herrn Vorsitzenden, dem Bauunternehmer Sturmius Grosch aus Fulda die Mauerarbeiten vorbehaltlich des Eintreffens der Genehmigung vom Regierungspräsidenten zu übertragen, wurde einstimmig angenommen.
Wenn nicht spätestens 6 Wochen nach Vertragsabschluss mit den Arbeiten begonnen werden kann, soll der Vertrag ohne Weiteres sowohl für den Bauherrn als auch für den Unternehmer für aufgehoben gelten. Auch an die übrigen Bauhandwerker werden die Arbeiten unter diesem Vorbehalt vergeben.
Speziell für die Maurerarbeiten werden noch folgende Punkte festgelegt.
Die Abbrucharbeiten der alten Kirche müssen, wie im Anschlag bedungen ausgeführt werden. Die Fussbodenplatten, Altarstufen und überhaupt sämtliche Stufen bleiben Eigentum der Kirchengemeinde, sind aber vom Unternehmer abzubrechen und an einem noch zu bezeichnenden Platze aufzusetzen.
Es wird ausdrücklich betont, dass das Abfahren des Bauschuttes Sache des Unternehmers ist. Beim Abbruch der Orgel, welcher von einem Fachmann geleistet wird, hat der Unternehmer ohne besondere Vergütung Beihilfe zu leisten.


Die Betonarbeiten des Fussbodens der Kirche (Pos 7 der Maurerarbeiten) sollen an den Unternehmer Kempf in Kleinlüder vergeben werden, welcher auch statt des Plattenbelages in den Gängen, Chor usw, die Terrazzoarbeiten ausführen soll.(Po.s 8 der Maurerarbeiten).Die Pos. 14 des Verdingungsvorschlages, den Aussenputz des alten Turmes betreffend kommt nicht zur Ausführung.
Voraussichtlich können die Baumaterialien nicht direkt an der Baustelle sondern teilweise jenseits des Weges, etwa im Sauer`schen Garten gelagert werden. Eine Entschädigung für den Transport von da zur Baustelle ist ausgeschlossen.
Falls Backsteine vom Unternehmer per Bahn bezogen werden, hat er das Ausladen auf seine Kosten zu veranlassen.
Es wird gewünscht, daß die Backsteine den Ziegeleien in Grossenlüder oder Eichenau entnommen werden, damit die Abfuhr (wegen des Bahnlagergeldes) nicht an einem bestimmten Tage erfolgen muss. Ferner hat der Unternehmer keinen Anspruch auf Vergütung, wenn er wegen nicht pünktlicher Anfuhr der Baumaterialien die Arbeit für einige Tage einstellen müsste.
Es wird dem Unternehmer noch aufgegeben, ortsansässige Maurer und Tagelöhner zu beschäftigen.


Zimmerarbeiten:
Für die Zimmerarbeiten lagen Angebote der Gebr. Sander Kleinlüder und der Blum aus Bimbach vor. Der Zuschlag wurde an Gebr. Sander zum Preis von 1.864,68 Mark erteilt.


Steinmetzarbeiten:
Für die Steinmetzarbeiten lagen Angebote der Firmen Vogel Fulda, Storch Fulda, Hack Boxthal a.Main und Zeller aus Miltenberg a.Main vor.
Die Steine sind franco Baustelle zu liefern.
Auf Antrag des Herrn Architekten Mahr wurde beschlossen dem Steinmetzmeister Hack aus Boxthal a.Main die Arbeiten zu übertragen, unter der Bedingung, daß er die Lieferung zum Preis von 7.517,62 Mark übernimmt und dass er ferner die Fuhren an die Gemeindemitglieder vergibt. Er hat sich deswegen mit dem Herrn Bürgermeister in Verbindung zu setzen, welcher die Verteilung der Fuhren vornimmt.


Weigert sich die Fa: Hack die Arbeiten für den genannten Preis und zu den gesetzten Bedingungen zu liefern, so soll mit der Fa. Zeller in gleicher Weise verhandelt werden.


Dachdeckerarbeiten:
Der Vorschlag des Bauleiters, die Bedachung der Kirche in Schiefer herzustellen, fand keinen Beifall.
Es sollen Angebote unter Zugrundelegung einer Ausführung in naturroten Biberschwanzziegeln, wie solche im Pfarrhaus in Blankenau Verwendung gefunden haben, eingefordert werden.


Spenglerarbeiten:
Für die Spenglerarbeiten lagen Angebot der Firmen Kalb  und Vogel aus Fulda vor.
Es wurde beschlossen, diese Arbeiten den Spenglern E.& L. Schrimpf aus Hainzell zu übertragen, falls sie nicht mehr als 303,52 Mark beanspruchen.


Schmiede & Schlosserarbeiten:
Die Schlosser & Schmiedearbeiten werden an H. Schmidt in Hainzell, J. Scheibelhut Kleinlüder und A. Bornträger Kleinlüder durch die Bauleitung vergeben.


Bauleitung:
Der Architekt Hermann Mahr wurde ermächtigt, die genannten Arbeiten den betreffenden Unternehmern zu übertragen und die Lieferfristen festzusetzen. Auch wurde besonders betont, dass die Bauoberleitung sich von dem Fortgang der Bauarbeiten, so oft die nötig erscheint überzeugt und namentlich auf die Güte der Arbeit ihr besonderes Augenmerk richtet.

Kleinlüder, den 23. Mai 1910      Vorgelesen, unterschrieben und genehmigt:

Pfarrer Malkmus                Kaplan Kemper                         Kirchenvorstand

Es wurden somit an einem  Abend alle Arbeiten besprochen, die ausführenden Unternehmen festgelegt und der Architekt beauftragt die Aufträge an die Firmen zu vergeben.
Es konnte nun mit dem Bau begonnen werden.


Vorbereitungsphase:

In den nachfolgenden Tagen hat der Architekt dann die Verträge mit den Baufirmen abgeschlossen und die Termine festgelegt.
Weiter Schriftwechsel seitens des Architekten sind leider nicht vorhanden. Es sind auch keine Schlußrechnungen in den Kirchenakten zu finden, es gibt lediglich noch vom Architekten geprüfte Massenaufstellung von den Arbeiten der Firma Sturmius Grosch und vom Steinmetzbetrieb Hack aus Boxthal. In der Aufstellung der Firma Hack aus Boxthal ist jedes Sansteinteil einzeln erfasst und aufgelistet.
Vor Baubeginn mußte noch ein Gebäude abgebrochen werden, welches im Bereich des heutigen linken Seitenaltares stand. Dieses Haus hatte mehrere Vorbesitzer. Kaspar Märten veräußerte es an Georg Martin. 1821 kaufte es die Gemeinde und richtete einen zusätzlichen Schulraum ein. 1832 wurde es von der Gemeinde an Herrn Johannes Wingenfeld verkauft. Nach 1900 wurde dieses Haus von der Raiffeissenkasse erworben und  im Jahre 1910 zum Neubau der Kirche an die Kirchengmeinde übertragen. Die notarielle Übertragung erfolgte jedoch erst am 4. November 1966.
Nach Rückspache mit der Raiffeisenbank konnte dies durch das Protokoll einer Vorstands- und Aufsichtsratsitzung bestätigt werden.

Vorstands- und Aufsichtsratsitzung am 1. 5. 1910
Sodann wurde dem Vorstand und Aufsichtsrat der Auftrag erteilt das früher gekaufte Wohnhaus Wingenfeld abbrechen zu lassen und den Platz der Kirchengemeinde zu verkaufen.
Vorstands- und Aufsichtsratsitzung vom 25. 5. 1911
Der Gewinn aus 1909 wird dem Kirchenbau zugeführt.

In Aufzeichnungen von Hermann Leinweber ist noch erwähnt, daß in Erwägung gezogen wurde, die Kirche zwischen dem Grundstück August Müller und dem Grundstück Josef Reith auf der grünen Wiese zu errichten. Dieses stieß bei den Bewohnern der Gerkecke auf großen Widerstand, dieselben verlangten die Kirche wieder auf dem selben Platz. Ebenfalls ist erwähnt, daß der Polier des Kirchenneubaues August Scheibelhut aus Kleinlüder war.


Letzter Gottesdienst in alter Kirche
Verkündigung am 5. 6. 1910

Morgen früh ist der letzte Gottesdienst in dieser Kirche.
Vor dem Amt um 1/2 7 Uhr, das zur Ehre des hl. Wendelinus ist, ist Aussetzung des Allerheiligsten mit Te Deum für die Gnaden und Wohltaten, die Gott in dieser Kirche gespendet hat.
Alsdann werden 3 Vater unser gebetet um die glückliche Vollendung des Neubaues; darauf ist der Hl. Segen. Das Allerheiligste bleibt bis zur hl. Kommunion in der hl. Messe ausgestellt.
Während des ganzen Tages bis Donnerstag früh ist kein Allerheiligstes im Dorfe.
Der Beginn des Ausräumens der Kirche wird durch Glockenläuten am Dienstag gegen 9 Uhr bekanntgegeben.
Morgen ist um ½ 7 Uhr Amt in der Notkirche in der Schulscheune, wo während der Zeit des Baues der neuen Kirche der Gottesdienst abgehalten und das Allerheiligste aufbewahrt sein wird.
Das Amt am Dienstag ist für Agatha Reith und deren Eltern.Am Mittwoch ist hier kein Gottesdienst.
Am Freitag ist ein Amt für Donatus und Walburga Gliesner und deren Schwester Maria.
Die Gottesdienstordnung an den Sonntagen während des Umbaues ist folgende:
Um 7 Uhr ist eine stille heilige Messe mit Gesang für alle Schulkinder sowie für die beiden letztentlassenen Jahrgänge also für den jüngeren Teil der christenlehrpflichtigen Jünglinge und Jungfrauen fürwahr für diejenigen die zur heiligen Kommunion gehen; die heilige Kommunion wird während der Messe ausgeteilt.
Um 9 Uhr ist wie bisher der Hauptgottesdienst den die übrigen Gläubigen besuchen wollen.
Es wird dringend gebeten sich nach dieser Ordnung und Einteilung zu richten und sie zu befolgen; denn nur dann ist ein geregelter und ordentlicher Besuch des Gottesdienstes an den Sonntagen möglich.
Von Dienstag an wir das letzte Läuten vor dem Gottesdienste stets 10 Minuten vor dem Beginn des Gottesdienstes erfolgen.Die Angehörigen derjenigen Verstorbenen, die rechts hinter der Kirche begraben liegen, werden gebeten die Grabkreuze, wenn sie dieselben zu haben wünschen, bis morgen Abend an sich zu nehmen. Die Kreuze, die nicht geholt werden, werden auf dem Kirchhof verbrannt, die Eisenkreuze vergraben.
Die Gebeine der Verstorbenen, die bei den Ausschachtungsarbeiten gefunden werden, werden in kirchlicher Weise in ein gemeinsames Grab am Kirchhofskreuze beigesetzt. Die Gräber, die von den Fundamentmauern nicht berührt werden, bleiben ungeöffnet unter der neuen Kirche.
Die nicht abgeholten Grabkreuze werden unter die Kirche vermauert.
Damit jeder einen Einblick erhalten kann, wie die neue Kirche würde, soll die Zeichnung der Kirche heute Nachmittag von 4 Uhr an im unteren Klassenzimmer in der Schule ausgelegt werden. Dort kann sie sich jeder ansehen.
Heute Nachmittag, gleich nach der Andacht muß noch einmal eine Sitzung des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung stattfinden.
Die Mitglieder werden hierdurch gebeten, sich im Schulzimmer möglichst vollzählig einzufinden.


Baubeginn am 7. Juni 1910

Nach dem letzten Gottesdienst in der alten  Kirche und dem Einrichten einer Notkirche in der Schulscheune konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.

In den nächsten Tagen überschlagen sich die Ereignisse. Die Firmen sind startbereit, doch ein Baustopp des Regierungspräsident verlangt die sofortige Einstellung des Kirchenneubaues, bis die Finanzierung gesichert ist.
Bürgschaften von  Gemeindemitgliedern ermöglichen die Rücknahme des Baustoppes.


Baustopp durch den Regierungspräsidenten am 9. Juni 1910

Regierungspräsident                                                                                      Cassel, den 9. Juni 1910 
Auf den Antrag vom 5. Mai 1910
Vor Ablauf der noch schwebenden Feststellung kann die Genehmigung des Anleihebeschlusses nicht erfolgen.
Ich verweise hierbei ausdrücklich auf den Schlußsatz des Ausschreibens des Bischöflichen Generalvikariats vom 3. Mai 1910, Kirchliches Amtsblatt für die Diözese Fulda No.6 1910, wonach Bauten pp erst dann in Angriff genommen werden sollen, wenn die Geldfrage endgültig gelöst ist und insbesondere zu Aufnahme von Anleihen die erforderlichen Genehmigungen erteilt sind.
Das Bischöfliche Generalvikariat in Fulda ist ersucht worden, die Bauausführung bis zur Erledigung der Deckungsfrage der Baukosten und der Bedürfnisfrage zu verhindern.
Den Mitgliedern der Kirchengemeindekörperschaften dürfte wohl bekannt sein, daß sie für etwaigen Schaden, der der Kirchengemeinde durch die vorzeitige Inangriffnahme der Bauarbeiten oder aus anderen Ursachen entsteht, haftbar sind.
Katholischen Kirchenvorstand in Kleinlüder
Zu Händen des Vorsitzenden Herrn Pfarrer Malkmus in Blankenau

Baustopp durch das Generalvikariat am 16. Juni 1910

Generalvikariat Fulda                                        Fulda, den 16. Juni 1910
An den Kirchenvorstand zu Kleinlüder Herrn Pfarrer Malkmus Blankenau.
Auf Grund des Ausschreibens des bischöflichen Generalvikariats vom 3. Mai des Jahres (Kirchliches Amtsblatt Nr. 6 , 1910) müssen wir die Inagriffnahme des Neubaus der Kirche in Kleinlüder auf so lange untersagen, als die Frage der Deckung der fehlenden Baukosten noch nicht gelöst ist.
Weiteren Vorschlägen, wie diese Frage gelöst werden kann, etwa dadurch, daß einige vermögende Männer des Ortes oder der Pfarrei das Geld so lange herleihen bzw. Bürgschaften leisten, bis die Summe durch freiwillige Beiträge aufgebracht ist, sehen wir entgegen.
Bischöfliches Generalvikariat    Auenhold


Bürgschaften Kleinlüderer Bürger vom 17. Juni 1910

Am 17. Juni 1910  verpflichteten sich vier Bürger aus Kleinlüder eine Bürgschaft für den Kirchenneubau zu übernehmen um die Baustillegeung wieder rückgängig zu machen.
Josef Reinhard  Kleinlüder verpflichtet sich für ein Darlehen von          5.000,00 Mark
Franz Josef Reinhard Kleinlüder verpflichtet sich für ein Darlehen von 3.000,00 Mark
Wilhelm Sander Kleinlüder verpflichtet sich für ein Darlehen von         5.000,00 Mark
Ferdinand Weismüller verpflichtet sich für ein Darlehen von                  7.000,00 Mark
Am 22. Juni 1910 unterschrieben die Bürgen nachfolgende Erklärung:

Wir erklären hiermit, daß die am 17. Juni 1910 von uns für den Neubau der Kirche hierselbst in Aussicht gestellten Beträge von insgesamt 20.000,00 Mark  von uns solange dargeliehen werden, bis dieselben aus freiwilligen Beiträgen bzw. durch später mögliche Umlagen gedeckt werden.
Die Unterzeichnung der Bürgschaften und der  Erklärung wurden von Bürgermeister Gließner beglaubigt. 


Schreiben Pfarrer Malkmus vom 21. Juni 1910

An das hochwürdigste Bischöfliche Generalvikariat in Fulda

Betr.: Neubau der Kirche in Kleinlüder.

Der Verfügung des hochwürdigsten bischöflichen Generalvikariates vom 16.Juni 1910 kann leider nicht mehr Folge geleistet werden,da die alte Kirche bereits abgebrochen ist.
Die Anordnung zum Abbruch glaubte ich erteilen zu dürfen, nachdem für den in Aussicht genommenen Neubau die baupolizeiliche Erlaubnis erteilt ist.
Die interaumistisch in einer zu gottesdienstenlichen Zwecken überlassene Scheune notdürftig hergestellte Notkapelle kann nur in der wärmeren Zeit und auch da nur und nicht geringen Opfern und Entbehrungen für den regelmäßigen Gottesdienst gebraucht werden.
Zum Beginn des Spätherbstes ist die geplante Kirche somit ein noch dringenderes Bedürfnis, als sie es bisher gewesen ist.
Würde der Neubau, wenn auch nur auf kürzere Zeit, verboten werden, dann könnte keine Garantie geleistet werden, daß die neue Kirche vor dem Einbruch der kälteren Jahreszeit noch unter Dach kommt, und es entstünden durch dieses Verbot für die Gemeindemitglieder die größten Nachteile.
Was die Aufnahme des Darlehens seitens der Kirchengemeinde angeht, genügt jetzt diie Summe von 12000 Mark nachdem mithin 8000 Mark durch freiwillige Beiträge aufgebracht sind.
Malkmus Pfarrer


Rücknahme Baustopp am 4. Juli 1910

Generalvikariat Fulda                                                                                        Fulda, den 4. Juli1910
An Herrn Pfarrer Malkmus Hochwürden zu Blankenau
Indem wir die vorliegende Erklärumng zurücksenden, fügen wir an daß der Herr Regierungspräsident durch Schreiben vom 30. Juni 1910 uns mitgeteilt hat, er wolle von weiteren Einwendungen gegen den Kirchenneubau in Kleinlüder absehen.
Dabei wird bemerkt, daß die Erklärung der vier Darleiher der Kirchengemeinde eine Verpflichtung zur Rückzahlung nicht auflegen.
Das Ihnen zugesandte Schrifttum Anweisung vom 17. 6. 1910 wollen sie demnächst wieder an und zurückgeben.
Bischöfliches Generalvikariat Fulda                 Auenhold


Baugenehmigung durch Generalvikariat am 12. Juli 1910

Generalvikariat Fulda                                                                                      Fulda, den 12. Juli 1910
Da die Königliche Regierung von weiteren Einwendungen gegen den Bau der Kirche Abstand genommen hat, genehmigen wir hiermit die Ausführung des Baues nach den Plänen des Architekten Mahr.

Bischöfliches Generalvikaral Fulda                   Auenhold  


Genehmigter Baubeginn

Nach der am12. Juli 1910 vom Generalvikariat Fulda erteilten Freigabe konnte nun endgültig mit den Maurerarbeiten begonnen werden. Die Abbrucharbeiten waren ja schon ausgeführt und konnten auch durch den angeordneten Baustopp nicht wieder rückgängig gemacht werden.


Vorstellung der verantwortlichen Personen, Firmen.

Pfarrer Malkmus war von 1892 – 1922  zuständiger Pfarrer von Kleinlüder. Als Vorsitzender des Kirchenvorstandes ( heutiger Verwaltungsrat ) war er verantwortlich für die kirchlichen Belange. Er stiftete sogar den Hauptaltar. Für die Erteilung des Auftrages zum Abbruch der alten Kirche vor Genehmigung des Neubaues mußte er
25 Mark Strafe bezahlen.


Kaplan Kemper war von 1909 – 1911 der zuständige Kaplan für Kleinlüder, er war die Kontaktperson zum Architekten. Er stiftete ein Seitenfenster.


Bürgermeister Eduard Gließner war während der Bauzeit Bürgermeister von Kleinlüder. Im Jahre 1910 war er 54 Jahre alt. Durch Verfügung vom 27. 9. 1886 durch das bischöfliche Generalvikariat lag die Baulast bei der politischen Gemeinde. Somit war der Bürgermeister der Bauherr im Auftrag der politischen Gemeinde. Deshalb befinden sich im Kirchenarchiv auch keine Baurechnungen. Bürgermeister Gließner mußte auch die Fuhrleistungen der Kleinlüderer Bauern mit ihren Pferde- oder Kuhgespannen einteilen, und dafür Sorge tragen, daß alle Materialien von der Ziegelei oder vom Bahnhof Großenlüder und von den Kalkwerken rechtzeitig auf die Baustelle kamen. Auch der benötigte Sand mußte in einer Grube im Wald gegraben, gesiebt und frei Baustelle angeliefert werden.  In Anbetracht der zusätzlich beginnenden Erntezeit war dies keine leichte Aufgabe.


Architekt Hermann Mahr aus Fulda erhielt den Planungsauftrag für das neue Gotteshaus. Er war 36 Jahre alt und Planer für viele Bauwerke in der Diözese. Von seinem Büro wurde die gesamte Bau- und Detailplanung unseres Kirchenneubaues erstellt. Auch die Bauleitung und Rechnunsprüfung oblag seiner Person. Die ausführliche Leistungsbeschreibung aller Gewerke zeugt von großem Fachwissen.


Firma Sturmius Grosch Fulda hatte den Auftrag für die Bauarbeiten einschließlich Innen- und Außenputz erhalten. Sturmius Grosch war ein junger Unternehmer im Alter von 34 Jahren. Er wurde in Kleinlüder Hausnummer 10 , ( Gräschis) geboren und hatte seine Firma in Fulda. Sein Vater Cyrillus Grosch aus Kleinlüder hatte im Jahre 1898 bereits die Schule gebaut. Der Umzug nach Fulda erfolgte im Jahre 1902.


Polier August Scheibelhut war ein Kleinlüderer Bürger der bei der Firma Grosch beschäftigt war. Er wohnte in Kleinlüder Hausnummer 96, ( Ewerkräftis, heutiges Haus Lesch) und war 41 Jahre alt. Sämtliche Schalpläne für die Bögen und Gewölbe wurden von ihm angefertigt und die komplette Bauausführung lag in seiner Hand. 


Firma Gotthart Hack, Boxtal an Main fertigte die Sandsteinelement für Sockelgurte, Fenster- und Türbögen, Treppenstufen und den Hauptaltar nach den Planvorlagen des Architekten. Der Transport erfolgte per Bahn nach Großenlüder und mußte dort mit Fuhrwerken abgeholt werden.


Firma Anton Kempf Kleinlüder führte die Betonfußbodenarbeiten einschließlich des Terrazzobelages aus.


Firma Gebrüder Sander führten die Zimmerarbeiten aus. Die Firma Sander hatte sich im Jahre 1903 gegründet. Der Zimmerplatz war in der Kiehrwiese.


Um einmal zu ermessen, welch außergewöhnlich Leistung in der kurzen Bauzeit erforderlich war, sind die auszuführenden Massen der einzelnen Leistungen einmal aus den Massenberechnungen zusammengestellt. Es waren herzustellen:
230 cbm Mauerwerk der Fundamente und des Fundamentsockels.
560 cbm Ziegelsteinmauerwerk der Wände und der Pfeiler.
640 qm Kreuz- Tonnengewölbe aus Schwemmsteinen einschl. Lehrbögen und Schalung.
610 qm Putz des Gewölbes einschließlich mehrmaliges streichen mit Kalkmilch.
750 qm Innenwandputz einschl. mehrmaliges streichen mit Kalkmilch.
720 qm  Putz der Außenwände, einschl. mehrmaliges Streichen mit Kalkmilch.
Ca. 60 cbm  Sandsteinelemente von Fa. Hack geliefert mit einmauern.

Einrüstung aller Wände von beiden Seiten mit Stangen und Holzbohlen und Gerüstketten.

Ausführung aller Arbeiten ohne Kran, Mischen des Mörtels und Betons von Hand.
Alle Abstützungen nur mit Kantholz und Rundstützen in Handarbeit herstellen, ohne Elektrogeräte denn Strom gab es erst im Jahre 1912.


Fuhrleistungen in Eigenleistung

Sämtliche Fuhrleistungen mußten lt. Vertrag von den Landwirten erbracht werden.
Ca 300.000 Stck Ziegelsteine in den Ziegeleien aufladen und zur Baustelle fahren.
Ca  20.000  Stck Schwemmsteine am Bahnhof  ausladen und zur Baustelle fahren.
Ca  400 cbm Sand waren in Eigenleistung zu  beschaffen und anzuliefern.

Ca  2000 Säcke Kalk und Zement vom Kalkwerk oder Bahnhof anfahren.

Setzt man für 1 Fuhre im Mittel 2,5 t  (50 Zentner ) an, so kommt man auf ca. 500 Fuhren.
Verteilt man die Fuhren auf die Bauzeit von 20 Wochen so waren wöchentlich 25 Fuhren zu bewältigen.
Bürgermeister Gließner hatte bestimmt keine leichte Aufgabe die Fuhrleistungen zu organisieren und der Unternehmer mußte auch rechtzeitig die Materialien ordern.

Berücksichtigt man, daß die Fuhrleistungen  mit eisenbereiften Wagen  auf  geschotterten Wegen  zu  erbringen waren, so ist diese Leistung um so höher einzuschätzen. Außerdem mußte auch noch die Feldarbeit und die Ernte bewältigt werden.
Für die Bürger unseres Ortes war der Neubau der Kirche eine große Anstrengung und Herausforderung. Noch vor Einbruch des Winters sollte der Rohbau einschließlich Dacheindeckung fertig gestellt sein.

Die Fundamentarbeiten gingen zügig voran und es konnte schon am
24. Juli1910 die Grundsteinlegung gefeiert werden. Der Grundstein mit der Jahreszahl 1910 befindet sich an der Südseite, von der Linde aus betrachtet auf der linken Seite.
Verkündigung für die Woche ab Sonntag, den 24.7. 1910

Heute ist das Amt zu Ehren der göttlichen Vorsehung. Nachmittags ist die feierliche Grundsteinlegung bei dem Bau der neuen Kirche.
Es ist zunächst hier um 5 Uhr Segensandacht; darauf geht es in Prozession zur Baustelle, wo die kirchliche Weihe des Baues und die Segnung des Grundsteins durch den hochwürdigsten Herrn Pfarrer (Malkmus) im Auftrage des hochwürdigsten Herrn Bischof erfolgen wird.
Die Ordnung bei der Prozession ist folgende: Es gehen
1.    Die Schulkinder,  2. die Jünglinge, 3. die Männer
4.    Die beim Kirchenbau beschäftigten Maurer und Arbeiter
5.    Die Mitglieder der kirchlichen Gemeindevertretung und des Kirchenvorstandes.
6.    Der Herr Pfarrer mit den Meßdienern
7.    Die Jungfrauen und Frauen
Die Fahnen für die Prozession liegen im Schulzimmer bereit.
Nachdem die Grundsteinlegung erfolgt ist begeben sich wiederum in Prozession hierher in die Kapelle zurück nur die Schulkinder und Diejenigen, die Fahnen tragen.

Am nächsten Sonntag ist die Gottesdienstordnung folgende:
Um 7 Uhr wird die Kommunion ausgeteilt. Um 8 Uhr ist Schulmesse; nach derselben sofort Prozession zur Grotte, daselbst ist Predigt und Neueinweihung der neuhergerichteten Grotte. Nach Beendigung dieser Feierlichkeit geht die Prozession wieder zur Notkapelle zurück, und es findet dann das Amt statt, das für Benjamin Kempf und dessen Angehörige gehalten wird.
Die Mitglieder des Kirchenvorstandes sowie der Kirchlichen Gemeindevertretung
werden gebeten, im Laufe des heutigen Vormittages oder Nachmittags bis kurz vor der Andacht in die Kaplaneiwohnung sich zu bemühen um die Urkunde zu unterschreiben, die in den Grundstein gelegt wird.

Die Bauarbeiten gingen zügig voran. Das utopische Ziel, den Rohbau vor Wintereinbruch fertigzustellen, wurde gemeistert. Es ist auch nicht bekannt, dass während der Bauzeit Unfälle passiert sind. Somit konnte der Rohbau nach  viermonatiger Bauzeit eingeweiht werden.


Weihe Rohbau

Verkündigung für die Woche ab Sonntag, den 13.11. 1910

Wie bereits am Mittwoch verkündigt wurde, wird am nächsten Sonntag mit Erlaubnis des hochwürdigsten Herrn Bischofs die neue Kirche eingeweiht werden, obwohl die Kirche noch nicht fertig ist. Es wird in der neuen Kirche zunächst nur an den Sonn- und Festtagen und zwar an diesen Tagen nur der Vormittagsgottesdienst abgehalten werden. Die Beicht- und Kommuniongelegenheit ist bis zur Fertigstellung der Kirche in der Notkapelle; ebenso an den Wochentagen der Schulgottesdienst und der Nachmittagsgottesdienst an den Sonn- und Feiertagen.
Die Feier am Nächsten Sonntag soll, wenn es die Witterung zuläßt folgende sein:
Die Gemeinde versammelt sich um 9 Uhr in der Notkapelle und begibt sich in Prozession vor die neue Kirche an das Seitenportal, das fertig ist und mit einer Treppe versehen ist. Zunächst wird dann die Kirche von Außen eingeweiht.
Darauf betritt als Erster die Kirche der Priester und die Prozession bewegt sich im Innern der Kirche in den Seitengängen; der Priester weiht dabei das Innere der Kirche ein. Nach der Weihe wird die Allerheiligen - Litanei gebetet darauf ist Predigt und Amt.
Nach dem Amt Te Deum.
Diese Ordnung ist nur, wenn die Witterung günstig ist, und es wird in diesem Falle um ¾ 9 Uhr geläutet, damit hier oben sich in größter Ordnung die Prozession bilden kann.
Ist die Witterung ungünstig, dann möge sich die Gemeinde in der neuen Kirche versammeln; es wird dann dort sofort um 9 Uhr die Weihe vorgenommen; eine Prozession findet dann auch im Innern der Kirche statt. Für diesen Fall würde dann erst 5 Minuten vor 9 Uhr geläutet.Es wird noch daran erinnert, daß an diesem Sonntag auch das Erntedankfest kirchlich gefeiert wird. Es ist bisher üblich gewesen, daß an diesem Tage die Kollekte besonders reichlich ausfällt. Dies muß in diesem Jahre, wo die Einweihung der neuen Kirche auf diesen Sonntag fällt, in hervorragender Weise der Fall sein!
Der Opfersinn der Gemeinde darf nicht erlahmen, sondern muß sich noch erhöhen; es dürfte wohl jedem klar sein, daß der Bau viel Geld kostet, es ist eine Schuldenlast von über 20.000 Mark abzutragen.


Genehmigung des Bischofs

Generalvikariat Fulda                                                                  Fulda, den 10. November 1910

Sie werden bevollmächtigt, die neu erbaute Kirche in Kleinlüder als „oratorium publikum“ nach der Diözesanagende ohne besondere Feierlichkeit zu benedizieren, damit das heilige Meßopfer in der selben gefeiert werden dürfe.
Das altare  portatile kann hier abgeholt werden.
Bischöfliches Generalvikariat Fulda
Auenhold
An Herrn Pfarrer Malkmus, Hochwürden zu Blankenau.

Die Benediktion ist mit Erlaubnis des Pfarrers Malkmus durch den zeitigen Kaplan Kemper am 13. November 1910 vollzogen worden.
Das Pfarramt, Malkmus  Pfarrer


Gottesdienstregelung:

Verkündigung am 27. 11. 1910
Bis zur endgültigen Fertigstellung der neuen Kirche wird wochentags zweimal und zwar Montag und Mittwoch in der neuen Kirche gehalten.
Freitags wird ein Gottesdienst in der Notkapelle gehalten und zwar so lange das „Allerheiligste“ dort aufbewahrt wird, das ist kirchliche Vorschrift.

Der Gottesdienst in der neuen Kirche im Rohbau war nur möglich, weil der Altar der alten Kirche im Kirchturm noch zu benutzen war.


Restarbeiten Rohbau, Innenausbau u. Stundenlohnarbeiten.

Dachdeckerarbeiten: Von Architekt Mahr war eigentlich eine Schiefereindeckung vorgesehen, vom Kirchenvorstand und seitens der Gemeindevertretung wurde eine Bieberschwanzeindeckung wie in der Probstei Blankenau gewünscht, aus Kostengründen erfolgte die Eindeckung jedoch in normalen roten Dachziegeln. Wer die Arbeiten  letztendlich ausgeführt hat, darüber gibt es keine Aufzeichnungen.


Spenglerarbeiten: Die Spenglerarbeiten wurden von Firma Schrimpf aus Hainzell ausgeführt.

Stundenlohnarbeiten Fa. Hack Boxtal am Main.

In der Abrechnung der Fa. Hack ist nachgewiesen, dass im August und September 1910 noch verschiedene Stundenlohnarbeiten vor Ort geleistet wurden.
Dachgesimse verklammert, Lisenen - Ergänzungsstücke angefertigt, Wendel-treppe Lisenen angepasst, vorhandene Nische für die Johannes - Statue über dem Eingangsportal erweitert und im Mauerwerk verankert.


Stundenlohnarbeiten Fa. Grosch Fulda:

Die Fa. Grosch hat In Ihrer Abrechnung insgesamt 19 Stundenlohnzettel vom 8. Juni 1910 bis 25. Oktober 1911 abgerechnet. Somit ist belegt, dass Restarbeiten während des gesamten Jahres 1911 ausgeführt wurden.


Innenputz und Wandanstrich:

Die Innenputzarbeiten wurden von der Firma Grosch nach genauer Beschreibung des Architekten ausgeführt. Glatter Kalkmörtelputz aus lang eingesumpftem, wenigstens einmal überwintertem Weißkalk und reinem Grubensand herstellen. Der Putz ist in dreimaligem Auftrag herzustellen und mit der Filzscheibe ohne Ansätze abzureiben. Direkt nach Fertigstellung ist die Putzfläche mit Kalkmilch so oft zu streichen bis sich keine Flecken mehr zeigen. Ein Anstrich der Flächen ist nicht mehr erforderlich.


Betonfußboden:

Der Betonfußboden wurde von der Fa. Kempf Kleinlüder in den Gängen mit Terrazzobelag versehen.


Schreinerarbeiten:

Die Schreinerarbeiten, Außentüren, Holzfußböden, Kirchenbänke, Kanzel, Kommunionbank und Brüstung der Empore wurden von der Schreinerei Hofmann aus Kleinlüder ausgeführt.


Schmiede und Schlosserarbeiten:

Die Schlosserarbeiten, Anfertigung der Türbeschläge einschließlich der Schlösser, alle Verankerungsteile, Dollen, Schrauben und Hängeeisen wurden von den Schmieden Scheibelhut und Bornträger aus Kleinlüder, sowie Schmidt aus Hainzell ausgeführt.


Verglasungsarbeiten:

Es wurde nur eine Notverglasung ausgeführt, die später durch ornamentverglaste Elemente ersetzt wurde.


Weihe der Kirche durch den Bischof Josef Damian Schmitt am 8. Mai 1912

Verkündigung für die Woche ab Sonntag, den 5. 5. 1912
Heute ist ein Amt für Margarete Weismüller.
Heute Nachmittag 1 Uhr Christenlehre, danach Andacht zum hl. Geist mit Segnung.
Nach der Andacht mögen die Firmlinge, die noch nicht gebeichtet haben beichten.
Morgen ist ein Amt für Johann und Maria Theresia Schäfer.
Vor dem Amt ist gemeinschaftliche Kommunion der Firmlinge ebenso am Dienstag vor dem Amt.
Dienstag ist um 6 Uhr Amt zu Ehren der göttlichen Vorsehung.
Mittwoch ist ein Amt um 6 Uhr mit Aussetzung zu Ehren der hl. Rita.
Freitag ist ein Amt zu Ehren der göttlichen Vorsehung.
Morgen Abend (Montag, 6. 5. 1912) gegen 5 Uhr wird der hochwürdigste Herr Bischof von Uffhausen her hier bei Kleinlüder vorbeifahren.
Nach seiner Ankunft in Blankenau ist eine kurze Andacht und Prozession auf den Totenhof.
Dienstagmorgen ist um ½ 7 Uhr in Blankenau bischöfliche Messe, um ½ 9 Uhr Hochamt mit Predigt, darauf Firmung.
Mittwoch wird unsere Kirche eingeweiht.
Der hochwürdigste Herr Bischof  fährt um ½ 8 Uhr von Blankenau nach hier, so dass um 8 Uhr die Feier beginnt.
Wir werden den hochwürdigsten Herrn in Prozession bei der Brücke abholen und fortbegleiten zur Kirche.
10 Uhr ist Hochamt mit Diakonium, Predigt und Te deum.
Nachmittags  um ½ 3 Uhr noch hier kurze Andacht, Prüfung der Christenlehre und des Religions-unterrichts in der Schule. Abfahrt um 5 Uhr nach Fulda.


Schlussbemerkung:

Mit der Einweihung des neu erbauten Gotteshauses möchte ich meinen Bericht über den Bauablauf abschließen. Durch meine Ausführungen wurde eindeutig belegt, dass der gesamte Rohbau in 20 Wochen von der Firma Grosch erstellt wurde.
Diese enorme Leistung war nur möglich durch die gute Planung und Organisation des Architekten, der guten Zusammen-arbeit der Firma Grosch mit den Bürgern und dem fachlichen Können von Polier Scheibelhut aus Kleinlüder. Den Einsatz und die gute Zusammenarbeit von Bürgermeister Gließner, Herrn Pfarrer Malkmus und Herrn Kaplan Kemper sowie dem Kirchenvorstand und der Gemeindevertretung möchte ich ebenso herausstellen, wie auch das Engagement der  vier Bürgen, die durch ihre Risikobereitschaft den Baubeginn erst ermöglicht haben.


Aktuelle Mitteilung

Öffnungszeiten der Bücherstube

Mittwochs von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr

 
 

Entdecken Sie unsere Kapelle

 

Pfarrfeste