Sprechzeiten im Pfarrbüro

Wir sind dann mal weg!
(Steffen Reuß, 13.09.2009) Es gibt Menschen, die sehen den Unterschied zwischen einer Wanderung und einer Wallfahrt einzig in der Geschwindigkeit. Aber weit gefehlt, denn beim Wandern hat man nur halb so viel Spaß.

Pünktlich um fünf Minuten vor neun treffe ich ein. Die Gesichter der schon anwesenden Menschen erzählen jedes für sich ihre Geschichte. Aber in jedem Ausdruck, jeder Mimik steckt noch mehr, nämlich eine kleine Andeutung, ein kleines Zeichen aufkeimender Vorfreude der bevorstehenden Ereignisse. Es ist Fest der Kreuzerhöhung und an diesem Tag steht eine Wallfahrt zur Kapelle Klein-Heilig-Kreuz auf der Tagesordnung. Kapelle steht bereit, massig Ministranten und viele Fahnen, ein Kreuz als Führung und natürlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, also wir.


 
Um Paukenschlag bzw. Glockenschlag neun setzt sich die Menschenschlange in Bewegung. Unter Gebet und Gesang die Straßen entlang, unterwegs springen einzelne Personen auf den vorbeifahrenden Prozessionszug auf. Ein Zug ohne Schlusslicht. Zwar bleibt er, der Zug, überschaubar, aber die Stimmung ist durchweg fröhlich. Warum auch nicht, schließlich sind es Christen, die in die Weite wallen. Und weit wallende Christen haben allen Grund zur Freude.
Irgendwann verlassen wir das Dorf und die bunte Häuservielfalt weicht idyllischer Natur. Bäume, Gräser, Sträucher und wir. Zwar zeigen sich einige Autofahrer hinter uns ungeduldig und sehen es als ihre dringendste Pflicht an, den Fahrradweg als Überholspur zweckzuentfremden, aber so ist das halt bei einer Demonstration kirchlicher Präsenz. Es gibt solche, die es machen, und andere, die drüber lachen. Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Toll, wie der Schall im Tal getragen und von dem in der Ferne liegenden Wald zurückgeworfen wird. Ein Gebet mit Retourschein. Nach 45 Minuten erreichen wir schließlich unser Ziel, die Wallfahrtskapelle Klein-Heilig-Kreuz, ein Edelstein von Gebäude, ein architektonischen Juwel und Stolz unserer Pfarrgemeinde (wir haben viele Sachen, auf die wir stolz sind und das ist nicht überheblich gemeint).
Die Liturgie wurde von dem ehemaligen Fuldaer Domkapitular Pfarrer Mühl gehalten. Ein hochkompetenter Mann, der in seinem Leben einiges erlebt hat und davon zu berichten weiß. So auch in der Predigt, in der es um Sinn und Sein, um Suche und Sicherheit, um Standhaftigkeit und Strebsamkeit ging. In zehn Minuten wurde nichts weniger als der Sinn des Lebens erklärt. Eine prickelnde Predigt, die zum Mitdenken aufgerufen hat. Warum begehen viele Jugendliche Suzid, warum sind viele Menschen trotz Macht und Mammon unglücklich, andere dagegen trotz niemals endender Arbeit zufrieden und ausgeglichen. Eine Plädoyer für mehr Sinn im Leben, für mehr Farbe in der Welt öder Schwarz-Weiß-Kontraste. Worte mit Wirkung.
 
Die Lesung handelte von der giftigen Schlange in der Wüste, deren Biss viele Israeliten zum Opfer fielen. Ein Glück nur, dass es sich bei uns um eine Menschenschlange handelte, eine friedliebende obendrein. Das Evangelium griff beherzt den Gedanken der Himmelfahrt auf. Nach der Predigt folgte die Gabenbereitung und Kommunion. Zum Schluss der Messe fand die Kreuzauflegung statt. Eine Monstranz, die einen Partikel des Kreuzes Jesu enthält, wurde jedem, der wollte, auf die Stirne gelegt, dazu ein Segenswunsch gemurmelt und dann in den Sonntag entlassen. Viele ließen sich daraufhin auch entlassen, andere nutzten die Gelegenheit, um nach der Liturgie in der nahegelegenen Gaststätte den Verlauf des ereignisreichen Morgens zu verarbeiten. Bei Bier und Beisammensein ließ man den sonntäglichen Kirchgang ausklingen. Wer da noch Fragen hat, ist selber Schuld, nicht dabei gewesen zu sein.

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